"Vergiss wie es aussieht - wie fühlt es sich an?"

(Ansel Adams, Fotograf)

Mein Weg zurück ins Leben hat mich von der Kunst über die Fotografie zur Therapie gebracht. Der plötzliche Verlust meiner Mutter mit 13 Jahren hat mich in eine schwere Krise gestürzt. Erst viel später konnte ich mich mit meiner unterdrückten Wut und Trauer auseinandersetzen, sie zu mir nehmen, ein Stück weit auflösen und mich neu orientieren. Nach Jahren der Depression konnte ich in Selbstverantwortung mein eigenes Sein in der Welt bestimmen, um mich schliesslich auf meinen eigenen Weg zu machen. 

In meiner jahrzehntelangen Erfahrung als Fotografin im Umgang mit Menschen bin ich im Jahr 2011 in meiner Arbeit mit jugendlichen Migranten auf ein mir vertrautes Thema gestossen. Von der Gesellschaft geduldet, vom Elternhaus unverstanden oder abgelehnt stecken diese Jugendlichen oft in einer Identitätskrise, die sie nicht fassen oder zulassen können. Ihren Prozess der Selbstfindung kann ich nachempfinden, ihre Sorgen und Nöte verstehen. In meinen FotoKunstworkshops kann ich sie ein Stück ihres Weges vom Sterben und Neu-Finden begleiten. Beeindruckt hat mich, wie essenziell es für die Jugendlichen ist, ihre Ressourcen wieder zu entdecken und dadurch ihre Möglichkeiten und ihr Potenzial zu erahnen und sich nicht mehr nur über ihre Begrenzungen definieren zu müssen. Das hat mich 2012 zu meiner anthroposophischen Ausbildung zur Kunsttherapeutin bewogen. 

Kunst in ihren Spielarten in uns allen angelegt, das Bedürfnis sich auszudrücken ist ein Archaisches. Oft ist dieser Teil in uns verschüttet worden. Ich sehe es als Aufgabe eines guten Therapeuten, diesen Teil wieder freizulegen, dem Klienten Möglichkeiten an die Hand zu geben, sich seiner eigenen Ressourcen wieder bewusst werden zu können oder zu dürfen. Als Fotografin und Kunsttherapeutin suche ich immer wieder neue Möglichkeiten und Ansätze, wie man Prozesse der Selbsterfahrung anleiten kann, dass sie heilsam, transformierend und/oder stabilisierend sind.

Mein Ansatz ist ein angewandt-künstlerischer, erweitert durch anthroposophische, heilpädagogische und tiefenpsychologische Aspekte. Ich stelle mich in die Tradition von Joseph Beuys und seiner Idee des erweiterten Kunstbegriffs. Er sieht Phantasie und Intellekt als zwei menschliche Pole und gleichzeitig zwei wesentliche Bedingungen bildnerischen Gestaltens. Mittler in diesem Spannungsfeld ist die Kunst, die zwischen den Extremen vermittelt und Verbindung schafft.

Im spielerischen Tun kann sich der Klient wieder mehr selbst spüren, er kann innere und äußere Wirklichkeiten harmonisieren. Künstlerische Inspiration verlebendigt das Denken.

Kunst an sich ist ja schon Therapie, so Beuys. Offenheit, Spiritualität, Kreativität und Fantasie als menschliche Urqualitäten sind bereits in uns vorhanden und müssen als solche nur gefördert werden.