Kunsttherapie

Ab den 1930er Jahren gab es im deutschsprachigen Raum erste Impulse, kunsttherapeutische Verfahren in anthroposophische und psychiatrische Prozesse zu integrieren. Das hatte grossen Einfluss auf die Kunstszene. Vor allem Jean Dubuffets Konzept einer antiintellektuellen Kunst ebnete den Weg zu Möglichkeiten des Ausdrucks. Er liess sich vom Bildvokabular von Kinderzeichnungen, Urvölkern oder auch psychisch Kranken inspirieren - seiner Meinung nach waren sie ihrem Inneren näher als manch Intellektueller. Dubuffet ging es mit seiner sogenannten Art Brut um die Wirkung von Kunst, um die sinnlichen und ästhetischen Qualitäten des individuellen bildnerischen Ausdrucks. Er war mit seiner Theorie Wegbereiter für das Verständnis von moderner Kunst und kunsttherapeutischen Prozessen.

Kunst bzw. das eigenverantwortliche künstlerische Tun ist in jedem von uns angelegt, es ist Grundlage für die Entwicklung eines jeden Menschen. Vielen von uns ist dieses Ausdrucksmittel im Laufe des Lebens verloren gegangen. An dessen Stelle tritt ein Funktionieren in unserer auf Profit und Wissen ausgelegten Leistungsgesellschaft. Beuys hat das bereits in den 1970 er Jahren kritisiert und versucht, dem - mit seiner Idee des erweiterten Kunstbegriffs - entgegenzuwirken. Er wollte uns als Rezipienten auf uns selbst zurückwerfen, uns über das Medium Kunst mit uns selbst in einen schöpferischen Dialog bringen. Der passive Konsument soll im Idealfall initiiert werden, er soll selbst zum geistigen Künstler und zum Schöpfer werden. Beuys war überzeugt, dass Wahrnehmung und Gestaltung sich aufeinander beziehen und sich gegenseitig bedingen. Je sensibler man sich in etwas einfühlen kann, „…je genauer wir auf etwas hören, umso lebendiger, selbstständiger und vielfältiger spricht es sich in uns aus.“

Mein Ansatz ist ein kunstorientiert anthroposophischer. Grundlage für mein therapeutisches Angebot bildet meine Erfahrung mit intermediären künstlerischen Schaffensprozessen. Dabei geht es mir um die Anregung und Förderung ihres kreativen Potenzials, nicht um ein an intellektuellen Maßstäben orientiertes, perfektes Kunstwerk. Das in uns allen angelegte Urvermögen schöpferischen Gestaltens stärkt und fördert unsere oftmals verschütteten oder nicht zu haben geglaubten Ressourcen. Diese alternative Welterfahrung kann neue Lösungsmöglichkeiten und Perspektiven bieten, die der eingeschränkte Blick auf das Problemfeld verschließen kann. 
Kunst kann entfremdete, abgespaltene oder unbewusste Anteile in uns sichtbar machen, sie kann Mittler sein, innere Eindrücke nach aussen zu bringen oder dazu auffordern, sich mit äußeren Gegebenheiten zu versöhnen, sie in sich aufzunehmen und gut zu verorten. Malerei, bildnerisches Gestalten, Zeichnen und auch Fotografie sind Mittel und Wege, diesen Prozess anzuregen und zu begleiten. Ich mache Ihnen Vorschläge, wie Sie Ihren persönlichen therapeutischen Weg künstlerisch unterstützen  können. Gemeinsam entscheiden wir, welche Techniken sie interessieren und zu Ihnen und Ihrer Geschichte passen. Empathie, Geduld, Respekt und echte Begegnung mit Ihnen und all Ihren Sorgen, Ängsten, Wünschen, Bedürfnissen und Erwartungen an mich sind für mich Grundvoraussetzungen für eine kunsttherapeutische Zusammenarbeit.

Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.
— Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)